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13.08.2008:
Offener Brief an Frank Bsirske

Bad Emstal den 13.08.08


Eckhard Geitz
Krankenpfleger ZSP Merxhausen
mail: eckexde@yahoo.de
Telefon: 0176/77190188



An:

Frank Bsirske
Vorsitzender der
Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft

Bundesverwaltung



Lieber Kollege Frank,

Am 3.08.08 hast Du einen Brief an die ver.di-BuVo-Mitglieder, die LandesbezirksleiterInnen und BezirksgeschäftsführerInnen geschrieben. Darin bedauerst Du Deinen Fehler des Urlaubflugs. Gleichzeitig stellst Du dar, Du hättest Gebrauch von einem Recht gemacht, das alle Lufthansa-Aufsichtsratsmitglieder geltend machen können. Vor dem Hintergrund der Lufthansa-Streiks zu diesem Zeitpunkt hast Du darauf hingewiesen, dass die politischen Gegner mit zweierlei Maß messen und die Gelegenheit nun "nutzen, um die Mitbestimmung" in Misskredit zu bringen.
In diesem offenen Brief wende ich mich vor dem Hintergrund des Verhandlungsergebnisses mit der Lufthansa und der Debatte um Privilegien von Gewerkschaftsfunktionären an Dich.

Du hast völlig Recht damit, darauf hinzuweisen, dass gerade die Vertreter neoliberaler Regierungspolitik nichts auslassen werden, um die Beschäftigten um ihre Mitbestimmungsrechte zu bringen.
Ferner werden sie jede Gelegenheit dankbar suchen und nutzen, an der sie Gewerkschaften angreifen können.
Als aktiver Gewerkschafter nenne ich Rücktrittsforderungen an Dich die reinste Heuchelei, wenn sie aus dem Dunstkreis der CSU o.ä. kommen. Gerade Politiker dieses Schlages haben es wohl am wenigsten nötig, über Privilegien zu sinnieren.
Sie machen tagtäglich davon Gebrauch, während sie beispielsweise das Renteneintrittsalter erhöhen oder versuchen, das öffentliche Gesundheitssystem völlig zu zerschlagen.
Aber drei Fragen, die mir in Zusammenhang mit dem Lufthansa-Streik in den Kopf kommen, würde ich Dir gerne stellen:

1) Was genau meinst Du eigentlich in Deinem Brief mit der Formulierung "mit zweierlei Maß messen"?. Ist denn nicht klar, dass Gewerkschaftler in Aufsichtsräten bestenfalls eine Kontrollfunktion wahrnehmen?
Welchen Sinn soll es denn haben, Privilegien zu nutzten, die Dich weit über die KollegInnen stellen und nur dazu da sind, Dich zu korrumpieren? Ich jedenfalls bekomme weder Freiflüge noch Gratisbehandlungen in einem Krankenhaus meiner Wahl, verrichte meine Gewerkschaftsarbeit ehrenamtlich und finanziere über meinen Mitgliedsbeitrag unter anderem Deine Stelle mit. Für das Nutzen von Privilegien habe ich nicht das geringste Verständnis. Dein Verweis darauf, dass auch die Arbeitgeber Privilegien nutzen, verärgert KollegInnen zu Recht.

2) Die Lufthansa war im Arbeitskampf, und während die KollegInnen gestreikt haben, bist Du ausgerechnet mit dieser Airline nach Los Angeles geflogen (zu vergünstigten Konditionen, die Du jetzt bedauerst).
Du bist doch ein erfahrener Gewerkschafter. Wie kann man da die Brisanz unterschätzen, wenn zigtausende Mitglieder der Gewerkschaft, der Du vorsitzt, im Arbeitskampf gegen eine Airline stehen, deren Gratisflug Du genau zu diesem Zeitpunkt in Anspruch nimmst?



3) Warum entscheidet sich die Führung meiner Gewerkschaft eigentlich immer dann dazu, einen Streik abzubrechen, wenn er beginnt Wirkung zu zeigen? Dann wird einem faulen Kompromiss mit langen Laufzeiten zugestimmt und am Ende kommt allenfalls die Hälfte des eigentlich geforderten heraus.
Das Beispiel Lufthansa dokumentiert, wohin diese Politik führt.
Cockpit und UFO spalten sich ab, bzw. haben dies schon getan.
Beispielsweise Mechaniker denken ebenfalls über die Gründung einer eigenen Interessensvertretung nach, weil sie sich dadurch bessere Ergebnisse erhoffen.
Denkst Du nicht auch, es wäre an der Zeit, den Kurs zu wechseln und statt auf halben Wege stehen zu bleiben, Erfolge zu organisieren - anstatt die Entwicklung der Reallohnverluste fortzuschreiben?
Die bittere Ohrfeige für ver.di bei der Lufthansa-Urabstimmung mit einer 51%-Zustimmung zeigt doch, wie satt die KollegInnen die Politik der faulen Kompromisse haben. Das Schönreden und Schönrechnen untergräbt jedes Vertrauen darin, dass die ver.di-Führung tatsächlich beabsichtigt zu kämpfen, anstatt ohne Not die Flinte ins Korn zu werfen.
Ich meine, dass mit dieser Politik unserer Gewerkschaft Schaden zugefügt wird.

Lieber Frank, da Du bezüglich des Nutzens von Privilegien offenbar in ein "Fettnäpfchen" getreten bist, erlaube ich mir folgende Empfehlung:
Auf der Internetseite www.netzwerk-verdi.de findest Du neben vielem anderen auch Positionen zur Bezahlung von GewerkschaftsvertreterInnenn oder zum Lufthansaergebnis.
Vielleicht ist es ja für Dich inspirierend zu sehen, welche Schritte vorgeschlagen werden, um Kämpfe erfolgreich zu führen. Nämlich so, dass das Fortschreiben der Reallohnverluste endgültig ein Ende hat.
Dieser Brief wird auf die oben genannte Homepage gestellt - genauso wie ein eventuelles Antwortschreiben von Dir.


Vielen Dank,
solidarische Grüße

Eckhard Geitz









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