Telekom-Tarifrunde: Verhandlungsergebnis ablehnen!

Dem Verhandlungsergebnis bei der Telekom sollte nicht zugestimmt werden. Allein die Laufzeit von 33 Monaten ist nicht zu akzeptieren. Man weiß kaum, wie sich die Inflation innerhalb eines Jahres entwickelt – geschweige denn innerhalb von 2 ¾ Jahren!. Zudem bedeutet das Ergebnis einen Reallohnverlust – und das vor dem Hintergrund von Rekordgewinnen, die noch während der Warnstreiks gemeldet wurden.

Die Tariferhöhungen sollen stufenweise erfolgen. Bei ver.di heißt es: Zum 1. August 2026 wird das zusätzliche Monatsentgelt für alle Tarifbeschäftigte (Teilzeitkräfte anteilig) von derzeit 190 Euro um 150 Euro auf dann 340 Euro erhöht. Zum 1. Juli 2027 erfolgt eine weitere Erhöhung um 140 Euro auf 480 Euro. Zum 1. Juni 2028 gibt es eine Steigerung der Tabellenentgelte in Höhe von 2,4 Prozent. Die Vergütungen für die Auszubildenden und dual Studierenden werden ebenfalls in drei Schritten zu denselben Zeitpunkten erhöht, und zwar im ersten Schritt um 4,1 Prozent, im zweiten Schritt um 3,3 Prozent und im dritten Schritt um 2,4 Prozent. Damit ergeben sich für Auszubildende monatliche Erhöhungen von 132 bis 148 Euro, und für dual Studierende von 148 bis 165 Euro.

Reallohnverluste bei extrem langer Laufzeit

Dazu muss aber gesagt werden, dass es in den ersten fünf Monaten keine Erhöhung geben soll. Auch sind die Erhöhungen für das „zusätzliche Monatsentgelt“ keine Tabellenerhöhung. Unterm Strich bedeuten die stufenweisen Erhöhungen einen Reallohnverlust, da die Inflationsraten voraussichtlich über den durchschnittlichen Erhöhungswerten liegen (März 2026 2,7%, April 2026 2,9%, Mai 2026 2,6%). Die Europäische Zentralbank hat aufgrund der hohen Inflation im Euroraum sogar die Zinsen angehoben, was sie eigentlich aufgrund der wirtschaftlichen Lage vermeiden wollten und hier wird auch für das nächste Jahr von einer Fortsetzung der hohen Inflation ausgegangen. Die derzeit stattfindenden Kriege um Rohstoffe, Öl und darum, wer die Vorherrschaft in der Welt hat, schaffen enorme Instabilität und jederzeit kann es zu neuen Preisexplosionen kommen.

Das Tarifergebnis wird nicht besser dadurch, dass es Bonusse für Gewerkschaftsmitglieder gibt. Wenn nur Gewerkschaftsmitglieder einen Bonus erhalten, könnte dies die Einheit der Beschäftigten schwächen und zu Konflikten zwischen Mitgliedern und Nichtmitgliedern führen. Wenn Kolleg*innen nur wegen eines finanziellen Vorteils in die Gewerkschaft eintreten, heißt das außerdem nicht, dass sie sich aktiv beteiligen. Gewerkschaftliche Stärke entsteht nicht allein durch Mitgliedszahlen, sondern durch organisierte, informierte und streikbereite Mitglieder. Ein paar mehr Mitglieder gewinnt man vielleicht mit Boni– Kämpfe gewinnt man durch Überzeugung, Beteiligung und gemeinsame Organisierung.

Beschäftigungssicherung

Teil des Ergebnisses sind Beschäftigungssicherungen für die Vertragslaufzeit. Dass diese aber nicht immer das Papier wert sind, auf dem sie stehen, hat sich in anderen Fällen schon gezeigt, in denen solche Beschäftigungssicherungsverträge aufgekündigt wurden, weil die wirtschaftliche Lage es erfordere. Ein bekanntes Beispiel ist der VW-Konzern. Stattdessen kann sich aber die Konzernleitung mit einer derart langen Laufzeit Ruhe verschaffen. Bis zum Ende der Vertragslaufzeit gibt es Friedenspflicht, was es schwieriger macht, sich dann auf die nächste Auseinandersetzung vorzubereiten. Diese wird mit Sicherheit noch härter.

Arbeitsplatzabbau

Gleichzeitig bleibt das Druckpotenzial, weitere Stellen abzubauen, wie es bereits seit Jahren der Fall ist, aber in der letzten Zeit verstärkt durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die Produktivitätserhöhung findet aber allein auf dem Rücken der Beschäftigten statt. Stellen werden kontinuierlich abgebaut und die Arbeitshetze steigt, weil noch mehr aus den Kolleg*innen heraus gepresst werden soll, um noch mehr Profite zu generieren. Die richtige Antwort auf Produktivitätssteigerung und Stellenabbau müsste eigentlich eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich sein. Das aber ließe sich nur durch einen konsequenten Streik erkämpfen.

Anstatt sich mit faulen Kompromissen, langen Laufzeiten und Reallohnverlusten abspeisen zu lassen, wäre es nötig, dass die ver.di Führung einen konsequenten Kampf organisiert. Und wenn gesagt wird, dass niedrigere Löhne und Stellenabbau aufgrund des Konkurrenzdrucks akzeptiert werden müssen, dann spricht das gegen das Prinzip von Konkurrenz und die Profitausrichtung. Der Konkurrenzdruck verursacht viel Verschwendung, zum Beispiel für Werbung und den parallelen Ausbau von Netzen und Transportketten durch verschiedene Unternehmen. Eine staatliche Telekom unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung von Beschäftigten, Gewerkschaften und Verbraucher*inneninitiativen könnte sowohl die Interessen der Verbraucher*innen besser berücksichtigen, als auch die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten deutlich verbessern. Ver.di könnte die Dynamik der Tarifrunde nutzen, um gemeinsam mit Verbraucher*inneninitiativen und dem gesamten DGB Veranstaltungen zu organisieren. Hier könnte über die Folgen der Privatisierungspolitik diskutiert werden und darüber, wie Infrastruktur und Kommunikationsdienste als Teil der Daseinsvorsorge zurück in Gemeineigentum überführt werden können. Darüber könnte auch die Solidarität in der Bevölkerung für den Streik gestärkt werden.

Keine ausreichende Beteiligung an Streiks?

Ein Argument für faule Kompromisse ist immer, dass nicht mehr rauszuholen war, weil sich zu wenige beteiligt hätten. Allerdings hatten die Warnstreiks auch mit 30 Prozent der Beschäftigten eine sehr große Wirkung, die sich noch weiter hätte entfalten können. Wie so oft wurde schon von Anfang an gesagt, dass man nicht in der Lage sei, einen Erzwingungsstreik zu führen. Das ist wenig ermutigend. Im Gegenteil werden dann einige Kolleg*innen eher entmutigt, sich überhaupt zu beteiligen, weil sie denken, dass es sowieso nicht viel bringt. Die Arbeitgeberseite fühlt sich durch ein solches Vorgehen natürlich ermutigt.

Kämpfe zusammenführen

Stattdessen hätte ver.di eine Urabstimmung für einen Erzwingungsstreik durchführen können. In den einzelnen Standorten hätten Streikleitungen und Delegierte gewählt werden können, um auf einer Streikdelegiertenkonferenz über alle wichtigen Schritte im Arbeitskampf und über jedes neue Angebot demokratisch zu diskutieren und abzustimmen. Innerhalb des Streiks hätten Streikversammlungen stattfinden können, um die Kolleg*innen maximal in die Diskussion einzubeziehen und auch hier demokratisch Beschlüsse über Annahme oder Ablehnung von Ergebnissen zu fällen. Die Tarifrunde bei der Telekom hätte mit anderen wie im Handel, bei der Postbank, und anderen lokalen Arbeitskämpfen koordiniert und verbunden werden können. Bundesweit könnten solche Tarifkämpfe als Ausgangspunkt für eine Branchen-übergreifende breitere gewerkschaftliche Kampagne gegen Preisexplosionen, Stellenabbau und die Angriffe der Bundesregierung auf Rente, Arbeitszeiten, Gesundheit und Pflege dienen. Das Netzwerk macht sich dafür stark, jetzt in allen Bereichen eine Protestkaskade bis hin zu politischen Streiks gegen die geplanten Angriffe durchzuführen. Auch bei Annahme des Tarifergebnisses

Das Netzwerk schlägt nicht nur vor, in der Mitgliederbefragung mit Nein zu stimmen, sondern vor allem, sich aktiv bei uns einzubringen, um eine kämpferische Vernetzung in ver.di voranzubringen.